Alkohol als (vermeintliche) Lösungsstrategie?

Nordwest Zeitung, 05.11.2014

Wird Alkohol zur Entspannung getrunken und entsteht daraus eine Gewohnheit, stellt sich durchaus die ernst zu nehmende Frage der Abhängigkeit.

 

Ein Glas Wein oder eine Flasche Bier bietet sich in vielen Situationen an, „hilft" zur Entspannung, zur Überwindung kommunikativer Hemmungen, bei Ärger, Stress, Wut, Traurigkeit oder ähnlichen Gemütszuständen. Nicht nur in schwierigen (Lebens-)Situationen bietet sich Alkohol als schnelle Problemlösungsstrategie an. Gerade auch zu den gesellschaftlich akzeptierten Anlässen wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Weihnachten, Betriebsfeiern, Kramermarkt usw. wird oft gern und viel getrunken. Wer denkt schon daran, dass regelmäßiges Alkoholtrinken Folgen haben kann wie z.B. Übergewicht („Bierbauch"), Krebserkrankungen (besonders in der Mundhöhle, im Rachenraum, in der Speiseröhre, in der Leber), Fettleber, Leberzirrhose, Bluthochdruck, Schlaganfälle - und die Probleme oft sogar noch schlimmer werden?

 

Grenzwerte als Anhaltspunkt

Als Grenzwerte für gesundheitlich unbedenklichen Konsum gelten für Männer und Frauen feste Werte (nach den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung): Männer: maximal 2 Bier (0,21) oder 2 kleine Schnäpse oder 0,251 Wein pro Tag. Frauen: maximal 1 Bier (0,21) oder 1 kleinen Schnaps oder 0,1251 Wein pro Tag. Zusätzlich sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche eingelegt werden und darüber hinaus wenigstens ein Mal pro Jahr eine längere Abstinenzphase von mindestens sechs Wochen.

 

Konsumverhalten in Balance halten

Ist es bei Ihnen oder bei Ihren Angehörigen deutlich anders? Dann kann es hilfreich und • sinnvoll sein, sein eigenes Konsumverhalten einmal näher zu betrachten, um eine gelungene Balance zu finden zwischen Genuss als Stärkung der Lebensqualität und anderen Wegen, die all-täglichen Schwierigkeiten zu meistern.

 

Therapeutische Hilfe ist keine Schande

Ein Blick von außen sieht oft mehr als der eigene Blick und kann auf diese Weise Veränderungen anregen. Um zu einem gesunden Maß beim Alkoholkonsum zurückzukehren, kann eine psychotherapeutische Unterstützung helfen. Diese kann nur wenige Stunden dauern, manchmal ist eine therapeutische Begleitung aber auch für längere Zeit erforderlich. Je nach Indikation kann auch das Trainieren von Entspannungsübungen oder eine Familienaufstellung sinnvoll sein.

 

Indikationen

Familien- und Partnerschaftsprobleme, Suchtmittelmissbrauch (Rauchen, Alkohol, Cannabis und andere illegale Drogen), Co-Abhängigkeit, Depressionen, Ängste, Phobien, Prüfungsangst, Burnout, Stress. Je nach Bedarf und Notwendigkeit gibt es die Möglichkeit der Behandlung und Beratung in Einzel-, Paar- und Familiengesprächen. Da die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten nicht übernehmen, ist eine rasche Terminvergabe in der Fachpraxis möglich.

 

Mehr Infos unter www.praxis-gesundheit-sucht.de

Ansprechpartnerin: Friederike Sohn Dipl.-Pädagogin, Systematische Familientherapeutin HP-Psychotherapie, Praxis für qualifiziertes Gesundheitsmangement und Suchtfragen