Jetzt mit dem Rauchen aufhören

Nordwest Zeitung, 06.01.2016

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Motivation zum Jahreswechsel kann effektiv genutzt werden. Eine Zigarette bietet sich in vielen Situationen an, „hilft" zur Entspannung, zur Überwindung kommunikativer Hemmungen, bei Ärger, Stress, Wut, usw. Rauchen ist „eigentlich" für und gegen alles „gut". Aus einer „lieb" gewordenen Gewohnheit ist das Rauchen jedoch über die Jahre zu einer Sucht geworden. Es ist immer schwieriger geworden, den Konsum unter Kontrolle zu halten. Gute Vorsätze, wie zum Beispiel weniger zu rauchen oder nur noch zu bestimmten Anlässen zu rauchen, gelingen oft nur für eine kurze Zeit, wenn überhaupt.

Häufig sind schon mehrere erfolglose Versuche unternommen worden, das Rauchen aufzugeben. Es war dann einfach nicht der „richtige" Zeitpunkt oder es hatte eben noch nicht „richtig" klick gemacht! Vielleicht fehlte der „feste" Willen oder das Durchhaltevermögen, was dann noch irgendwann kommen wird.

 

Warum raucht ein Raucher?

Die positiven Effekte des Rauchens sind so effektiv, dass das Rauchen sehr schnell zur Gewohnheit wird. Das Nikotin beeinflusst den Körper, indem das Herz schneller schlägt, die Herzfrequenz ansteigt, die Blutgefäße sich zusammenziehen, der Blutdruck damit ansteigt. Die Nebennieren geben Adrenalin ab und der Stoffwechsel wird angeregt. Vor allem wirkt das Nikotin jedoch auch im Gehirn. Es manipuliert - wie alle anderen Drogen übrigens auch - das Belohnungssystem im Gehirn. Hier wird der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, das dem Raucher ein Gefühl von Freude, Wohlgefühl, Zufriedenheit, Spaß und Genuss signalisiert. So fühlt sich der Raucher beim Rauchen wohl, weil er vom Gehirn belohnt wird.

 

Was ist Sucht?

Sucht oder Abhängigkeit bedeutet, dass man in be-stimmten Situationen, zu bestimmten Anlässen oder ganz allgemein im Leben nur noch schwer ohne das Suchtmittel auskommen kann. Das Verlangen nach einer Zigarette ist so stark, dass man ihm kaum widerstehen kann. Das Gehirn signalisiert: Ich will eine Zigarette und zwar jetzt und sofort! Sucht ist wie eine Gier. Und wenn einen diese Gier überfällt, vergisst der süchtige Raucher all seine guten Vor-sätze. Die Gier ist stärker als er. Er fühlt sich hilflos ausgeliefert und von ihr kontrol-liert.

Abhängigkeit hängt nicht mit der Menge gerauchter Zigaretten zusammen. Manche Raucher können zwar tage- oder monatelang ohne Zigaretten auskommen, jedoch verlieren sie nie ihre Sucht. Das hängt damit zusammen, dass süchtige Menschen eine veränderte Hirnstruktur haben, auch Suchtgedächtnis genannt. Dies bleibt ein Leben lang erhalten und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ein ehemaliger Raucher behält somit sein Leben lang dieses Programm, das in ihm schlummert. Beim Konsum einer Zigarette wird das Suchtgedächtnis erneut angetriggert und das ganze Programm spult sich automatisch ab. Dies verhindert in der Regel einen kontrollierten Konsum. Deshalb schafft es ein abhängiger Raucher fast nie, jemals wieder kontrolliert und selbstbestimmt zu rauchen. Leider haben die meisten Menschen, die täglich rauchen, eine Sucht, eine Tabak-abhängigkeit entwickelt. Es fällt ihnen meist dann sehr schwer, mit dem Rauchen aufzuhören.

 

Zeichen einer Nikotinabhängigkeit

Um eine Tabakabhängigkeit zu diagnostizieren kann man einen bestimmten Fragebogen, den Fagerström-Test-für-Nikotinabhängigkeit, einsetzen. Außerdem deuten folgende Signale darauf hin, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt hat:

  • Starkes Verlangen zu rauchen, das erst nach mehrmaligem Inhalieren verschwindet
  • Schlechtes Gewissen beim Rauchen verbunden mit dem Gedanken, eigentlich lieber aufhören zu wollen
  • Körperliches Unwohlsein bei längeren Rauchpausen
  • Gefühl eines „Beschaffungszwangs", wenn sich die Packung dem Ende neigt oder eines „Vorratszwangs", der zum stangenweisen Einkauf von Zigaretten führt
  • „Vor-" oder „Nach-"rauchen, wenn man weiss, dass man vorübergehend nicht rauchen kann
  • Billigung von Gesundheitsschäden und Kosten trotz des Wissens um die Schädlichkeit des Rauchens
  • Scheitern auch der ernsthaften Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören (aus: Deutsches Krebsforschungszentrum).

 

Gesundheitliche Risiken und Gefahren

Gefährlich ist das Tabakrauchen deshalb, weil die In haltsstoffe einer Zigarette sch schädlich sind. So enthält Tabakrauch etwa 4000 verschiedene giftige Inhaltsstoffe, voi denen 70 nachgewiesenerma ßen krebserregend sind. Gesundheitliche Gefahren und Risiken, die das Rauchen mit sich bringt, sind in der Folge z.B. Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, Erkrankungen des Immunsystems.

 

Sich Unterstützung und Hilfe suchen beim Aufhören

Um sich das „Laster" Rauchen wieder abzugewöhnen ist es häufig leichter, dies gemeinsam mit Gleichgesinnten in einer Gruppe oder einzeln unter professioneller Anleitung zu tun. Ziel des Kurses is die Nikotinabstinenz. Die über Jahre erlernten destruktiven Verhaltensweisen zu Aufrechterhaltung und Fortsetzung der Sucht sollen konotinuierlich wieder „verlernt und durch gesundheitsbewusste ersetzt werden.

 

 

Ein Kurs wird von allen ge setzlichen Krankenkassen bezuschussst.

 

Autorin des Beitrags: Friederike Sohn

Dipl.-Pädagogin, Praxis für qualifiziertes Gesundheitsmanagement und Suchtfragen
Systemische Familientherapeutin Heilpraktikerin für Psychotherapie