Gegen Krisen besser gewappnet sein

Nordwest Zeitung, 02.04.2014

Bewundern Sie manchmal Menschen, die auch in Krisensituationen nicht aus der Bahn geworfen werden und die Kunst des Stehaufmännchens beherrschen. Ist das alles nur Fassade oder steckt mehr dahinter?

Wer seine psychische Widerstandsfähigkeit (im Fachjargon Resilienz) ausreichend stärkt, hat gute Chancen, Krisen leichter zu bewältigen. Um diese Kompetenz zu erwerben, bieten Psychotherapie, Familientherapie und Suchttherapie die fachliche Unterstützung. Resilienz wird aus dem Lateinischen resilire abgeleitet und bedeutet frei übersetzt psychische Widerstandsfähigkeit gegen Krisen bzw. Krisenkompetenz. Wer ist resilient oder wie lässt sich Resilienz erwerben?

Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um von Resilienz sprechen zu können: 1. Es besteht eine belastende Situation und 2. diese belastende Situation wird dann auch noch erfolgreich bewältigt. Die Fähigkeit, Krisen durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen, kann erlernt und gestärkt werden. Folgende Fragen können hilfreich sein, um die eigene Resilienzfähigkeit zu überprüfen:

  • ... nehme ich mir Zeit für mich und stelle mich der Situation
  • ... bin ich zuversichtlich, dass sich die Dinge zum Positiven wenden werden
  • ... kann ich Ursachen von Problemen erkennen und sehe Alternativen
  • ... klage mich nicht selbst an, sondern sehe auch die Umstände, die zur Situation beigetragen haben
  • ... versuche ich es noch einmal anders, wenn ich gescheitert bin
  • ... finde ich Lösungen im Gespräch mit anderen
  • ... plane ich für kritische Zeiten vor und habe Alternativen? Je mehr Aussagen davon auf Sie zutreffen, desto resi-lienter sind Sie bereits.

Trifft eine oder mehr der folgenden Aussagen auf Sie zu, können Sie die eigene Resilienzfähigkeit noch verbessern:

  • Ich reagiere hektisch und lenke mich ab
  • ich neige - zu „Schwarzsehen"
  • ich fühle mich oft ausgeliefert
  • ich mache mir Schuld- und Selbstvorwürfe
  • ich sehe mich als Opfer
  • ich muss alles alleine lösen, keiner kann es besser, ich lebe im Hier und Jetzt und rechne nicht mit Krisen.

Krise zur Stärkung der Resilienzfähigkeit nutzen

Gerade in persönlichen und/oder beruflichen Krisensituationen kann es sinnvoll sein, sich dabei professioneller Unterstützung zu bedienen. Krisen deuten auf notwendige Veränderungen hin, die nicht immer so leichtalleine herbeizuführen sind. Ein Blick von außen sieht oft mehr als der eigene Blick und kann auf diese Weise Veränderungen anregen. Die Stärkung der Resilienzfähigkeit zur Bewältigung von persönlichen Krisen erfolgt durch psychotherapeutische Unterstützung. Diese kann nur wenige Stunden dauern, manchmal ist eine therapeutische Begleitung aber auch für längere Zeit erforderlich. Je näch Indikation kann auch das Trainieren von Entspannungsübungen oder eine Familienaufstellung sinnvoll sein.

Indikationen sind:
Familien- und Partnerschaftsprobleme, Suchtmittelmissbrauch (Rauchen, Alkohol, Cannabis und andere illegale Drogen), Co-Abhängigkeit, Depressionen, Ängste, Phobien, Prüfungsangst, Burnout; Stress.

Je nach Bedarf und Notwendigkeit gibt es die Möglichkeit der Behandlung und Beratung in Einzel-, Paar- und Familiengesprächen. Da die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten nicht übernehmen, ist eine rasche Terminvergabe möglich.

Ansprechpartnerin: Friederike Sohn Dipl.-Pädagogin