Auf der Suche nach der Jugend

Ganz Oldenburg, 16.11.2012

Am Mittwoch, dem 14. November, fand im Alten Landtag der bereits 7. Oldenburger Präventionstag statt. Ausrichter im Auftrag des Präventionsrates war diesmal des Arbeitskreises »Sucht«.

Bewusst mehrdeutig war der Titel der Veranstaltung gewählt, und erwartungsgemäß gingen sowohl der Vorsitzende des Präventionsrates Gerd Koop wie auch Sozialdezementin Dagmar Sachse, die OB Gerd Schwandner vertrat, in ihren Begrüßungsworten darauf ein, dass man sowohl die Jugendlichen als auch Süchte aus verschiedenen Perspektiven betrachten müsse. Dagmar Sachse sieht die Stadt mit in der Verantwortung, wenn es darum geht, Jugendlichen den Umgang mit potentiellen Suchtmitteln darzulegen.

Unbestrittener Höhepunkt des Tages war der fast zweistündige und dennoch absolut kurzweilige Vortrag »Wie Jugendliche ticken ...« von Dr. Marc Calmbach, SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH. Calmbach stellte die Ergebnisse einer Befragung von rund 2000 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren vor, auf deren Grundlage das »SINUS-Lebensweltenmodell u18« entwickelt wurde. Danach lassen sich Jugendliche je nach Bildungsstand (niedrig, mittel, hoch) und normativer Grundorientierung (traditionell, modern, postmodem), ihrer sozialen Lage, ihren Werten, Ansprüchen, Erwartungen und Zukunftsplänen, aber auch ihres Musikgeschmacks einer von sieben »Lebenswelten« zuordnen, die jeweils ganz unterschiedlich angesprochen werden können - und auch müssen, wenn man sie erreichen will.

Auch wenn es sich nur um ein Modell handelt, das auf einer Momentaufnahme beruht, wie Calmbach mehrfach betonte, liefert es doch Informationen, ohne die kommerzielle wie gemeinnützige Werbekampagnen an ihren Zielgruppen vorbei geplant werden. Werte und Ausrichtungen änderten sich allerdings mit zunehmender Geschwindigkeit, so Calmbach. Die Gültigkeitsdauer solcher Studien dürfte dementsprechend sinken.

»Wir haben von Dr. Calmbach erfahren, um welche Jugendlichen es eigentlich geht und was wir anders machen müssen, damit wir präventiv arbeiten können und nicht nur hinterherhinken«, sagte Heinz-Hermann Buse, Leiter des Arbeitskreises Sucht. Ein Grundangebot an Präventionsarbeit und eine bessere Vernetzung mit Schulen und Freizeitstätten sei notwendig, ebenso eine mischfinanzierte Planstelle für Suchtprävention.

»Um Zugang zu bekommen,dürfen wir nicht gleich moralisieren und das Verhalten bewerten, sondern müssen zunächst einmal zuhören und viel genauer hingucken. Erst dann können wir Konzepte entwickeln, die die Leute dort abholen, wo sie stehen.« Das ist die Konsequenz, die Gerd Koop aus diesen Informationen zog.

Der Leiter der Fachstelle Sucht bei der Diakonie, Kai Kupka, wünschte sich mehr Zeit für die Präventionsarbeit, die bei den Beratungsstellen oft zu kurz komme. »Trinken ist unglaublich normal geworden. Mehr als 75 Jugendliche, die pro Jahr mit einer Alkoholvergiftung ins Klinikum gebracht werden, sind ja nur die Spitze des Eisberges«, so Kupka.

Im zweiten Teil des Fachtages wurden in Workshops verschiedene Projekte zur Suchtprävention vorgestellt. Zwei der Angebote widmeten sich dem Umgang mit Alkohol: ein Planspiel für Jugendliche ab 14 Jahren mit dem Titel »Voll die Party« von Frederike Sohn (Praxis für qualifiziertes Gesundheitsmanagement und Suchtfragen) und Kai Kupka (Suchthilfe der Diakonie) sowie »Saufen bis der Arzt kommt«, ein europäisches Präventionsprojekt vorgestellt von Wolfgang Rometsch (Landschaftsverband Westfalen Lippe) und Melanie Hempen (Klinikum Oldenburg) zum Rauschtrinken von Jugendlichen. Unter dem Titel »10 Tage ohne TV und PC« stellte Hartwin Preussner (Amt für Jugend, Familie und Schule) das Medienschutzkonzept an Oldenburger Grundschulen vor, und Michael Leisinger (Fritz-Schubert-Institut aus Heidelberg) referierte über das an seiner Schule unterrichtete Fach »Glück«.