Warnsignale von Burnout erkennen

Nordwest Zeitung, 02.05.2018

Der Anteil der Burnoutfälle hat sich in den letzten fünf Jahren versechsfacht. Dennoch ist Burnout immer noch ein Tabuthema. Häufig fehlen auch die notwendigen Informationen, um mit dem Thema konstruktiv umzugehen. Friederike Sohn erläutert, wie man die Warnsignale eines Burnout erkennt.

Ein Burnout kommt nicht plötzlich über Nacht, sondern ist ein langer Prozess, an dessen Ende er steht. Zunehmend fühlen sich viele Menschen durch die Arbeit überlastet und ausgebrannt. Die Zahl der psychischen Erkrankungen durch Stress am Arbeitsplatz steigt stetig an. Wenn dann noch Partnerschaftsprobleme mit den eigenen Kindern hinzukommen, läuft das Fass meist vollends über.

 

Was sind die Ursachen eines Burnouts?

Die Ursachen sind vielfältig und individuell. Manche Menschen haben eine persönliche Prägung, die die Erkrankung am Ausgebranntsein begünstigt. Aber auch Belastungen von außen und extreme Stresssituationen führen schnell zur Überforderung und schließlich zum Burnout. Das moderne Leben fordert von unserer Psyche viel Belastbarkeit und Flexibilität. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer soll flexibel, freundlich, teamfähig und kreativ sein. Er soll ständig bereit sein, sich auf Veränderungen und Unterbrechungen einzustellen, Neues zu lernen und auch überaus noch sehr engagiert sein, eine neue Aufgabe oder ein Projekt erfolgreich duchzuführen. Es gibt persönliche, situationsbedingte und gesellschaftliche Ursachen.

 

Ein Burnout verläuft in drei Phasen

1. Phause: Erste Anzeichen von Erschöpfung

Der Betroffene zeichnet sich oft durch ein berufliches Überengagement aus. Er hat das Gefühl, unentbehrlich zu sein und verleugnet dabei eigenen Bedürfnisse. Er hat ein vages Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist, hat gelegentlich grundlose Ängste und reagiert somatisch mit verschiedenen Symptomen wie Kopf- und Bauchschmerzen, Angespanntheit, Schlafstörungen und Energiemangel.

2. Phase: Die Erschöpfung schreitet voran

Alles dreht sich - gefühlt - nur noch um die Arbeit. Innerliche Unruhe, Nervösität und Gereiztheit oder sogar Aggressivität nehmen zu. Der Betroffene ist weniger belastbar, leidet unter Stimmungsschwankungen und Erholungsunfähigkeit sowie chronischer Müdigkeit. Entspannung wird oft nur noch mit Alkohol und/oder Tranquilizern erreicht. Ausgeprägtere somatische Symptome wie Bauch- und Rückenschmerzen kommen hinzu.

3. Phase: Die völlige Erschöpfung

Körper und Geist steuern auf die völlige Erschöpfung zu. Die Leistungsfähigkeit und der Lebensmut schwinden dahin. Der Betroffene reagiert und wird apathisch. Die Frustrationstoleranz verringert sich immer mehr wegen Niedergeschlagenheit und Minderwertigkeitsgefühlen. Das Ganze ist begleitet durch eine schwere Depression und häufig Suizidgedanken.

Wer die dritte Phase erreicht hat, muss meist stationär behandelt werden. Wer bei sich Symptome der ersten oder zweiten Phase erkennt, sollte den Mut zusammennehmen und sich einen ambulanten Termin geben lassen, um gemeinsam zu schauen, was im eigenen Leben verändert werden kann. Denn wenn alles so bleibt, wird der Betroffene über kurz oder lang in der dritten Phase ankommen. In dieser Phase ist es oft sehr schwierig, wieder den Boden unter den Füßen zu spüren.

Indikationen sind: Familien- und Partnerschaftsprobleme, Suchtmittelmissbrauch (Rauchen, Alkohol, Cannabis und andere illegale Drogen), Co-Abhängigkeit, Depressionen, Ängste, Phobien, Prüfungsangst, Burnout, Stress.

 

NWZ 02.05.2018.pdf

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